DEAD WATER TOURDIARY

(15.02.2018-25.02.2018)

Datum: 15.02.2018

Stadt: München (DE)

Kilometerstand: 905 km (Bus aus Frankfurt, y’know)

Venue: 8 Below Bergfest 

Bands: Beatfrog, Take Off Your Shirts, Agency

BESAGTER VAN
BESAGTER VAN

Am Vortag hatte unser Manager Magge den Bus bei Starcar in Frankfurt abgeholt (Das war die südlichste Station - aber der Preis hatte den Extra-Aufwand gerechtfertigt) und ist mit einigen leeren Cases, die wir uns extra neu für die Tour bestellt hatten, abends um 22 Uhr bei Adi aufgeschlagen. Da sich unser Tourvan als deutlich kleiner als erwartet herausstellte, wurde am nächsten Morgen als Übung eine Runde Tetris gespielt. Die daraus entstandenen Anordnungsfähigkeiten konnten perfekt beim Laden des Tourbusses eingesetzt werden. Beim neuen Hardcase von Xandi’s Bass gab’s ähnliche Komplikationen, welche jedoch durch fachmännischen Japanmesser-Einsatz behoben wurden. Diese Methode war leider nicht auf den Laderaum des Vans zu übertragen. Maurice aka. Sunnyboy wurde, direkt nach seiner Prüfung, die er am Vormittag noch schreiben musste, in Bern aufgegabelt und schon machten sich die vier Thuner Stadtmusikanten und Magge, aka Driver of the Year, auf nach München. Der Tourauftakt dort war äußerst zufriedenstellend, rein musikalisch gesehen jedenfalls. Rhetorisch gesehen, erinnerte die Darbietung eher an Erstklässler während ihres ersten Referats, die nuschelnd peinliche Stillen zu umgehen versuchen. (Xandi nennts Sprachbarriere.) Unter dem Publikum waren auch einige bekannte Gesichter, die uns nicht nur von unterhalb der Bühne unterstützen, sondern auch ein In-die-Länge-ziehen des Abends verursachten. Schlaf kriegten wir daher ca. soviel wie die Eltern eines neugeborenen Schreihalses.


Datum: 16.02.2018

Stadt: Fürth (DE)

Kilometerstand: 1075 km

Venue: Kopf und Kragen 

Bands: The Big Boners, RuvyRed

ZWEI HUNGRIGE SEGLER
ZWEI HUNGRIGE SEGLER

Zu Beginn des zweiten Tourtagebuch-Eintrags müssen wir schon mal anmerken, dass es sich bei uns Sailors nicht um die klassische Rockband mit Starallüren handelt, was sich zum Beispiel bei unserem Getränkekonsum abzeichnet. Statt Bier und Schnaps wird bei uns eher Tee und Wasser getrunken. Ein typisches Ins-Koma-Saufen kam und kommt daher auch nach den Gigs nicht vor, was vor allem in deutschen Gefilden auf Verwunderung stiess. Umso glücklicher war Magge jedoch, als wir ihm von unserem Pregig-Ritual erzählten, bei welchem eine geringe Menge an hochprozentigem Alkohol gestürzt und mit vielerlei Gesichtsakrobatik kommentiert wird. Voller Euphorie lief er daraufhin in den nächstbesten Supermarkt, um neben einem reichlichen Catering auch noch passende Alkoholika zu besorgen; wobei dann die erste Flasche das ruckelnde Fließband an der Kasse nicht überlebte und nach einem lauten zerschellen einen angenehmen Wohlgeruch verbreitete, der die umstehenden Kunden dazu verleitete, dass Magge gleich nochmal eine Flasche holte. Wie sich dann vor der Show herausstellte, war der Geruch deutlich besser, als der Geschmack und so gab es einige Gesichtsverrenkungen, während Maurice und Xandi mit ihrem Erdbeerlimes auf der sicheren Seite blieben. Unser zweites Konzert, welches dem vorherigen musikalisch in Nichts nachstand und rhetorisch den Kinderschuhen entwachsen war, war ein voller Erfolg. Fast ausschließlich fremde Leute standen vor der Bühne und feierten uns. Das hat sich schon richtig gut angefühlt.

Danach ging es dann direkt nach Nürnberg in unsere heutige Unterkunft. Die komplette Wohnung einer guten Freundin unseres Managers, die uns auf dem Taubertal schon gesehen hatte, aber leider an dem Wochenende nicht da war. So hatten wir die komplette Wohnung für uns. Die Begeisterung verflog jedoch zumindest bei Maurice ziemlich schnell. So schnell, wie man halt benötigt um zu realisieren, dass das Wasser der Dusche nach fünf Minuten warten wohl nicht mehr wärmer werden wird. Könnte auch am überdurchschnittlichen Warmwasserkonsum von uns anderen liegen.


Datum: 17.02.2018

Stadt: DE-Marburg

Kilometerstand: 1377 km

Venue: KFZ

Bands: Div.

Während 3/4 von Rooftop Sailors am Morgen des 3. Tages nur mit Mühe aus dem Bett krochen, war Nevio schon damit beschäftigt, sich in der Warteschleife von Thomann aufzuhalten. Am Vorabend kackte nämlich sein Amp ab, was Nevio mit seinen Fachkenntnissen auf eine defekte Röhre rückschloss. Nach einer viertel Stunde Schleifenmusik konnte die vorhandene Problematik endlich geschildert werden. Der einfühlsame Angestellte schlug daraufhin vor, den Amp drei Tage später vorbeizubringen. Mega Idee, Danke! Nach weiteren langwierigen Recherchen konnten wir den Amp einem Spezialisten, der quasi auf der Strecke lag, vorbeibringen, welcher ihn dann reparierte. An den Röhren lags übrigens nicht.. :)

Als dies nun geklärt war, konnte endlich nach Marburg aufgebrochen werden. Der Weg dorthin war sehr abwechslungsreich. Abwechslungsreich in dem Sinn, dass abwechslungsweise Spurengase der bisherigen verdauten Mahlzeiten und eiskalte Windstösse durch den Van pfiffen. Gut, das in Marburg das KFZ eine so große Venue war, dass sich unsere Gerüche unauffällig im gesamten Gebäude verteilen konnten. Riesiger neuer Schuppen und da heute Emergenza war und wir als Special Guest auftreten sollten, übernahmen wir galanter Weise den Soundcheck für alle, um anschließend noch etwas Zeit in der Stadt zu verbringen. Die Architektur und andere in Marburg vorkommende Schönheiten werden uns noch sehr lange in Erinnerung bleiben!

 

Die Show am späten Abend verlief übrigens wieder super. Nevios Amp ballerte wie gewohnt und dank einiger Artistpool Freunde und den örtlichen Veranstaltern wurde es wieder eine etwas längere Nacht - nicht nur mit Wasser und Tee. Danke an die Jungs von Bazouka Groove Club für die Übernachtung!


Datum: 18.02.2018

Stadt: Berlin (DE)

Kilometerstand: 1848 km

Venue: Kulturhaus Karlshorst 

Bands: T’Time Maniacs, Fearless Mind

Die Reise ins Herz Deutschlands verlief wie gewöhnlich: Maurice vergnügte sich mit seinen Mathematikaufgaben, Nevio zockte unentwegt Lego Star Wars und die Gebrüder Bratschi dösten vor sich hin. Tatsächlich das erste Mal, dass wir nicht pünktlich am Venue waren, wie unser Reiseleiter im Tourbuch vorbestimmt hatte. Jedoch auch nur deshalb, weil eine Baustelle die Zufahrt im kompletten Viertel versperrte. Da hätte jedes Navi der Welt nicht weiterhelfen können. EIne halbe Stunde später war dann unsere Odyssee beendet und wir konnten bequem per Fahrstuhl zur Studiobühne emporschweben, wo heute das, dank der beiden lokalen Bands organisierte und ausverkaufte Konzert stattfinden sollte. Zwar war man Monitortechnisch vor Ort etwas limitiert, was unserer Spielfreude aber keinen Abbruch tat und durch das exzellente Catering (Danke Fearless Mind) waren wir ja auch bestens gestärkt.  Nach dem Gig ging es dann direkt in unsere Unterkunft, die sich auf dem schmalen Grad zwischen komplett versiffter Bruchbude und echtem Rock’n’ Roll befand, da zum Beispiel recht klar der Nikotinkonsum vorheriger Gäste die Luft erfüllte und es schwierig war, auch nur einen Flecken nicht besprayter Wand zu entdecken; Willkommen in Kreuzberg.

:: Sailors in Berlin :: #deadwatertour

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 Gestaffelt gingen wir dann ins Bett, da nicht jeder die Ausdauer besaß, wie unsere beiden Berlin-Connection-Gäste, die mit Nevio und Magge noch unten in der Kneipe einige Runden Mexikaner einläuteten. Mehr oder weniger erholt starteten wir in den nächsten Tag (für Einige auch noch derselbe). Uns wurde berichtet, dass der Döner ursprünglich aus Berlin stammt, was uns Döner-Liebhaber natürlich verleitete, zum Frühstück einen ebensolchen zu verzehren. Danach wurde richtig klischeemäßig die Berliner Mauer touristisiert und als Requisite für noch klischeehaftigere Ich-bin-da-gewesen-Bilder missbraucht. 


Datum: 19.02.2018

Stadt: Hamburg (DE)

Kilometerstand: 2157 km

Venue: Grüner Jäger 

Bands: Kill Strings, Myrtus Creed

Hamburg entpuppte sich für uns alle als absolutes Tourhighlight. Schon im Vorraus wurden durch die lokalen Bands fleissig Tickets verkauft und unser Heimspiel-Produzent Frieder Does erklärte sich bereit, als Mischer anzutreten. So gross die Vorfreude im Van, so schnell verflog sie auch wieder. Denn bei der Ankunft konnten wir irgendwie nirgends die Bühne ausfindig machen und suchten verzweifelt nach ihr. Uns wurde dann bewusst, dass es sich bei der Bühne wohl um die winzige Bodenerhebung mit angeschraubten DJ-Pult und zwei Monitoren handelte (zwei Monitoren sind wie Suppe mit einer Gabel essen). - Apropos Essen: Bestes Catering auf Tour! Dank der Freundin von Myrtus Creed Fronter Lenny - Unglaublicherweise hatte jedoch sogar all unser Equipment auf der “Bühne” Platz und Frieder - niemand weiss wie genau - haute aus der praktisch nicht vorhandenen PA mit einen der besten Sounds der Tour raus. Geiler Typ! Das Konzert an sich machte auch Bock wie Sau, da sich der Raum mit der Zeit enorm füllte. Ein paar Leute aus dem Publikum konnten sogar unsere Texte mitsingen, woran sich unsere Seelen natürlich erquickend labten. So viel Bewegung haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Zu erwähnen ist auch, dass bei beiden anderen Bands nicht nur alle saugeile Musiker sind, sondern auch übertrieben sympathische Typen, die uns zum Teil sogar beim Laden des Vans helfen wollten. Da sprühten schon fast ein bisschen die Funken. Und die komplette Sailors-Truppe durfte dann auch noch bei Lee (Kill Strings) pennen, der sicherlich zu den coolsten Lehrern der Welt gehört. Geiler Typ! Danke dir!  Und danke Hamburg!

BESAGTER VAN UND MR. FRONTMANN
BESAGTER VAN UND MR. FRONTMANN

Auf nach England!

Hier wäre nun ein guter Zeitpunkt, auf die holzfällerischen Nachtaktivitäten während der Tour hinzuweisen. Und zwar bemerkten wir beim täglichen Ein-und Ausladen des Büsschens, dass der Grund für den Platzmangel eine Motorsäge hinten im Laderaum zu sein scheint. Sie gehört unserem lieben Magge und er benutze sie oft um nachts ganze Wälder zu roden und uns um unseren wohlverdienten Schlaf zu bringen. Bei einem kurzen Zwischenstopp in Münster, welche Familie Bratschi mit einem schläfrigen: Wo sind wir? kommentierten, 


entdeckten wir unsere toughe Seite. Denn Magge wies an, hier eine Runde Strassenmusik zu lancieren. (Wir hatten übel keinen Bock) Das Ganze stellte sich dann trotzdem als gute Erfahrung heraus, auch wenn wir uns den Begriff Märtyrer bei gefühlt Minus tausend Grad verdienen mussten. Noch dazu riss sich Nevio beim Spielen seinen wohl kaum noch spürbaren Finger auf, während Xandi sich in stetiger Bewegung befand, um den vom Wind im Minutentakt umgewehten Gitarrenkoffer wieder für Spenden zu öffnen. Aber immerhin kam ein Mädel vom Campusradio vorbei und hat gleich ne CD mitgenommen. Somit sollten wir jetzt auch im Campusradio in Münster hörbar sein. Danach setzte sich unsere Reise nach Antwerpen fort. Dort dann Abendessen beim Italiener mit Champions League im TV und geschlafen wurde in einem Hotel direkt beim gigantischen Bahnhof, wobei durch das übliche Ritual Schere-Stein-Papier entschieden wurde, welche zwei Pechvögel sich den Sägespänen von Magges Motorsäge aussetzen mussten.

*Anmerkung der Maggeschen Redaktion: Da es zwei Dreierzimmer waren, hätte es sich ja auch nur einer antun müssen. Schweizer Demokratie kann manchmal schon dumm sein :-)


Datum: 21.02.2018

Stadt: Brighton (GB)

Kilometerstand: 3069 km + Fähre

Venue: The Bee’s Mouth

Munter und fröhlich stiegen wir am Morgen des 7. Pilgerfahrttages aus unseren Betten und begaben uns zum Frühstücksraum. Nach ergiebiger Stärkung gingen wir den Weg zum Ablegeplatz unserer Fähre an. Für einige von uns war die Überfahrt nach Dover die erste Erfährung (Erfahrung mit einer Fähre), was dem ganzen noch etwas mehr Schönheit und Würze gab. Und da sie gut zwei Stunden andauern sollte, nahmen wir die Gelegenheit auch gleich war und orderten das erste britische Lunch und spielten danach noch Karten, bis wir die Kreidefelsen Dovers erblickten. Dort trafen wir dann auf unseren zweiten Manager: Danny. Der Nachteil an ihm war, dass trotz seiner sich in Grenzen haltender Grösse der Platz im Bus unangenehm verkleinert wurde. Das Gute war, dass er den Linksverkehr Englands wie seine eigene Westentasche kennt. Gerade in Brighton bei Danny zu Hause angekommen, gingen wir gleich wieder los, um an einer Open-Mic-Night zu spielen. Bevor wir einige unser Stücke zum Besten geben konnten, fuhr jedoch ein mobiles Tonstudio eines lokalen TV-Senders vor und lud uns ein, dies doch im Studio-Van zu tun. Wie geil ist das denn?! Als wir dann wieder zurück ins Pub marschierten, bemerkten wir, dass die Bühne mittlerweile von zwei älteren Männern dominiert wurde, wobei einer von ihnen Gitarre spielte und sang, während der andere in einem Katzenkostüm Miau ins Mikrophon schrie oder folgende Behauptung in den Raum stellte: „I’m a Pussycat!“ Das hinterliess auf jeden Fall bleibenden Eindruck. Mehr dazu gibt es übrigens im Review von Melinda auf Rockette.

Hier noch ein Video von besagter TV-Sender-Aufnahme:


Datum: 22.02.2018

Stadt: Swindon (GB)

Kilometerstand: 3255 km

Venue: The Vic 

Bands: Stolen Jam, Point12

THE WHOLE SAILOR-CREW
THE WHOLE SAILOR-CREW

Leider hatte es mittlerweile die anscheinend schwächsten Glieder unserer Truppe erwischt: Adi und Maurice. Die beiden taten nämlich am frühen Morgen schon kund, dass sie beide etwas kränklich sind, Maurice sogar todkrank, seiner Laune an diesem Tag zufolge. Die beiden wurden gehörig mit Medizin und Tee versorgt und dann machten wir uns schon auf den Weg nach Swindon. Swindon war ganz schön und ganz schön kalt, wie wir bald bemerkten. Natürlich nicht die besten Bedingungen für nicht fitte Musiker. Aus diesem Grund hielten wir uns vor allem im Inneren auf, tranken Tee und spielten Jass. Dieses schweizerische Gesellschaftsspiel hatte sich nämlich mittlerweile zu unserem Backstage-Boredom-Game schlechthin entwickelt. Praktischerweise sind wir eine Band, die aus vier Personen besteht, welche alle jassen können. Obwohl sich Nevio beim Aneignen der Regeln äusserst schwer tat und bei seinen Kollegen öfters mal ein kräftiges Haare raufen verursachte. Nach dem Soundcheck gingen wir in einem indischen Restaurant essen. Einer der Kellner (lustigerweise ein typischer, rothaariger Engländer) war offensichtlich neu im Lokal tätig und schüttete unserem armen Danny 0,5 Liter Cola über die Hose, nur um dann danebenzustehen, als wäre er der begossene Pudel. Übrigens scheinen die Leute in Swindon ausserordentlich freundlich und offen zu sein. Dies zeigte sich zum Beispiel, als einer der Stammgäste Xandi vor dem Pissoir Kokain anbot (!). Als wäre der nicht schon Zappel-Phillip genug. Die Show lief dann ganz cool, auch wenn die beiden Bands, die ursprünglich den Abend gestalten sollten, vom Veranstalter zu Supports degradiert wurden und wir überraschend der Headliner waren. Das hatte dann leider auch zur Folge, dass dann nicht mehr ganz so viele Leute da waren. Die, die aber blieben, haben es komplett gefeiert und auch tatsächlich Merch gekauft, was laut Aussagen der Local Crew eher ungewöhnlich ist. Anektode: Abbau, Merchverkauf und Einladen inkl. Feierabendbier in nur 40 min. Neuer Rekord und ab zurück zu Danny nach Brighton.


Datum: 23.02.2018

Stadt: Hastings (GB)

Kilometerstand: 3571 km

Venue: The Carlisle

Bands: Div.

Zu Hastings lässt sich vor allem Folgendes sagen: Die Leute sind noch offener und freundlicher als in Swindon, da diesmal Adi Kokain angeboten wurde. (auch auf der Toilette) Zusätzlich zum Kokain kam noch Exctasy, auf welches wir die noch höhere Freundlichkeit rückschliessen. Auch schienen uns Veranstalter und Mischer nicht beim Jassen stören zu wollen, weshalb beide zwei Stunden zu spät kamen. Rücksichtsvolles Volk. Auch typisch ist es wohl, dass die Tourband immer die komplette Backline stellt und die lokalen Bands das einfach dankend annehmen, selbst wenn sie Headliner sind, wie an diesem Abend. Abendessen gab es in einem nahegelegenen Imbiss mit Burgern und Fish & Chips. Typisch britisch eben. Der Pub war ein großer Metalladen, was an diversen Fahnen, Postern und anderen Devotionalien deutlich zu erkennen war. Dennoch wurden wir von den Zuhörern bei unserer Show nicht aufgefressen, was ja auch schon mal ein gutes Signal ist. Ganz im Gegenteil. Der Veranstalter war komplett aus dem Häuschen und total begeistert und selbst die Stammgäste, die sich in der Regel in einer verwinkelten Ecke mit reichlich Sicherheitsabstand zur Bühne, am anderen Ende des Ladens aufhalten, lugten während unseres Auftritts zwischenzeitlich hervor und gaben mit leichtem Kopfnicken (Headbangen in Kinderschuhen) ihre Anerkennung kund.

Nachts ging es dann wieder zurück zu Danny.


Datum: 24.02.2018

Stadt: Folkestone (GB)

Kilometerstand: 3843 km

Venue: The Harp Restrung

Bands: Stephen Holden

Wie schon am Vortag, so begaben wir uns auch an diesem Morgen in die Stadt. Brighton ist nämlich ausserordentlich schön und kurios, auch wenn wir keine Erklärung fanden, wie zur Hölle die Einheimischen in kurzer Hose rumlaufen konnten, während uns förmlich die Eiszapfen aus der Nase liefen. Familie Bratschi nahm die Challenge des italienischen All-You-Can-Eat-Buffets wieder einmal zu wörtlich und platzte förmlich aus allen Nähten. Immerhin musste keiner der Beiden auf dem Weg zu Dannys Wohnung erbrechen. Dort angekommen, packten wir all unseren Kram zusammen, da wir später direkt nach Deutschland fahren wollten. Der Wind in Folkestone machte dem Ruf Englands alle Ehre. Später kam uns die Idee, dass die mangelhafte Erscheinung an Publikum vielleicht damit zusammenhing, dass alle Leute die draussen auf Einlass warteten, vom Winde verweht worden sind. Auf jeden Fall war unser Tontechniker des Abends ein sehr sympathischer Typ, der die ganze Zeit in 7/8-Hose und Adihash-Shirt rumrannte. Manche von euch fragen sich vielleicht, wie gut das eigentlich klappte mit dem ganzen Englisch, welches wir selbstverständlich auf und auch neben der Bühne sprechen mussten. Nun, lasst uns diese Frage mit einer Geschichte beantworten. Und zwar fragte der Tontechniker Maurice, ob wir eine Leiter benötigten, um unseren Banner aufzuhängen. Auf diese Frage antwortete Maurice mit: „No, we are high enough.“ Dass diese Aussage bei einem Typen mit Adihash-Shirt vielleicht ein bisschen falsch rüberkommen könnte, schien Maurice in diesem Moment nicht klar zu sein.

Stephen Holden, mit dem wir uns schon in Brighton die Bühne teilten, eröffnete den Abend mit akustischer Musik und einzigartiger Stimme. Unser lieber Techniker verbrachte während der Show mehr Zeit neben dem Pult um uns zu filmen und zu feiern anstatt hinter dem Pult. Dem Sound tat dies dennoch keinen Abbruch. Das im immer voller werdenden Club versammelte Volk wollte auch Xandi’s Aufforderung doch bitte nach vorne zu treten um gemeinsam zu tanzen nicht folgen und drängte sich lieber dicht um den Billiardtisch. Sei’s drum. Wir lieferten ab und der Applaus stimmte auch!

Nach der Show wurde der Van ein letztes Mal auf englischem Boden eisgeladen (= Einladen bei Eiseskälte) und sich liebevoll von Danny verabschiedet.


Datum: 25.02.2018

Stadt: Stuttgart (DE)

Kilometerstand: 4626 km + Zug unter dem Wasser durch

Venue: Keller Klub

Bands: Circa.Null, Achtzehn Grad, KOMMA, Roadstring Army

Nach dem Konzert in Folkestone fuhren wir per Unterwassertunnel direkt nach Deutschland. Dies war eine sehr spezielle und neue Erfahrung, da man sich in dem Autozug vorkam, wie in irgendeinem Low-Budget Science-Fiction Film. Mittlerweile hatte wieder Magge das Steuer übernommen, da wir ja wieder in Richtung Deutschland unterwegs waren. In Lille (F)  gönnten wir uns, respektive vor allem Magge, in einem Hostel noch ein paar Stündchen Schlaf. Mit diesen Stündchen Schlaf fuhren wir dann via Belgien und  billigem Sprit in Luxemburg nach Stuttgart, zu unserem allerletzten Tourgig. Auf diesen Gig freuten wir uns schon die ganze Tour lang, da die Vorfreude auf befreundete Bands kolossal war. Auch reisten extra Adis Freundin und Schwester (zwei verschiedene Personen!) nach Stuttgart, um an diesem wundervollen Moment teilzuhaben. Kurz vor Ankunft warnte uns Magge noch vor der Toilette des entsprechenden Klubs, worauf wir hoffnungslos verlorenen Narren nicht hören wollten. Bei der anscheinend sogenannten Toilette handelte es sich dann tatsächlich um ein schwarzes Loch, welches mit fünf Schicht Toilettenpapier belegt werden musste, damit man sich, ohne Horden von Bakterien auf sich niederprasseln zu spüren, hinsetzten konnte. Ein weiteres einmaliges, auf der ganzen Tour noch nie vorgekommenes Ereignis geschah beim ersten(!) Akkord unseres Sets. Bei eben genannten Akkord riss Maurice die tiefste Saite seiner Gitarre, welche natürlich dann gewechselt werden musste. Maurice erfreute sich an Xandis professionellem Überspielen beim Gitarrenwechsel nach dem Song, ohne zu wissen, dass Xandi keinesfalls Irgendetwas überspielte; er hatte das tragische Ende der Saite schlicht nicht mitbekommen. Die Show in Stuttgart war ein absolut würdiges Tourende. Wir konnten noch einmal das Gefühl erleben, von fremden Personen die eigenen Texte angeschrien zu bekommen, konnten noch einmal als Band zu einem einzigen Kern, einem einzigen Ziel verschmelzen. Auch die anderen Bands machten diesen Abend zu etwas ganz Besonderem. Nicht nur mit ihrer Musik, sondern auch durch ihre sehr unterstützende und sympathische Weise. Vielen Dank Stuttgart!

Für uns ging es danach zurück in die Schweiz, wo wir um 4:00 nachts ankamen, komplett kaputt und ausgelaugt, aber auch so glücklich, wie noch selten zuvor. D.h. das waren in den letzten 24 Stunden 6 Länder, die wir durchquert hatten. Sieben insgesamt auf der Tour mit 10 Konzerten in 10 Städten, in denen wir noch nie zuvor waren.

 

Dies alles sind Erfahrungen, die wir nie in unserem Leben vergessen werden und die wir euch allen zu verdanken haben:

- Jeder einzelne, der uns die Zeit irgendwie unterstützt (hat), aber vor allem:

- Matthias Magge Mehwald

- Danny Snow

- Alessa Patzer

- Beatfrog

- Take Off Your Shirts

- Agency

- Sabine Bamarang

- Miguel Mayorga

- The Big Boners

- RuvyRed

- Sabrina Lüftner

- Mario

- Bazooka Groove Club

- T’Time Maniacs

- Fearless Mind

- Thomas Wendt

- Marvin McMahon

- Julian Lee

- Frieder Does

- Kill Strings

- Myrtus Creed

- Zoe Waugh

- Melinda Bloch

- Stephen Holden

- Stolen Jam

- Point12

- The Lanes

- Circa.Null

- Achtzehn Grad

- KOMMA

- Roadstring Army

- Volker Haaga

- Starcar Autovermietung

- Musikhaus Thomann